Spanische Folklore - Flamenco

 Fast jeder von uns hat eine, zumindest vage, Vorstellung davon, wie "spanische Musik" zu sein hat, und meistens denkt man dabei an Gitarren, an leidenschaftlichen Tanz, an "Flamenco". Diese Musik ist allerdings erst im 19. Jh. entstanden, wobei die Zigeuner Andalusiens eine wichtige Rolle spielten. Über Quellen und Ursprünge des Flamenco gibt es sehr unterschiedliche Theorien, es ist jedoch wahrscheinlich, dass sie dieselben sind wie die der andalusischen Folklore im Allgemeinen: "Der cante flamenco (.) ist als ein künstlerisches Genre zu verstehen, das aus der Neubearbeitung der traditionellen andalusischen Volkskultur innerhalb der modernen urbanen Industriekultur hervorging" (*s.u.).

Auch außerhalb des so genannten "Flamenco" existierte und existiert eine Fülle aus Liedern und Tänzen in allen Regionen der iberischen Halbinsel. Dass in manchen Gegenden Nordspaniens der Dudelsack das wichtigste Instrument ist, und nicht die Gitarre, hat sich spätestens seit den kommerziellen Erfolgen von Gruppen wie "Hevia" herumgesprochen. Auch Katalonien hat eine ganz eigene Volksmusik. Tänze wie die  Seguidilla oder die Jota dagegen gibt es fast überall in Spanien, auch wenn der Ursprung letzterer in Aragón zu suchen ist.

Durch die Geschichte bedingt, spielten vielerlei kulturelle Einflüsse eine Rolle bei der Herausbildung des Repertoires spanischer Folklore. Musikwissenschaftler suchen die Ursprünge mancher älterer Melodien in arabischen, byzantinischen, hebräischen, griechischen oder persischen Modellen und Skalen. Sehr viele Lieder basieren auf dem modernen westlichen Dur-Moll-tonalen System.

Auch die engen Verbindungen zur Neuen Welt ließen musikalische Formen  populär werden - Formen zumeist, die vorher aus Spanien dorthin exportiert wurden, und die ihren Weg dann wieder zurück fanden, in veränderter Form. Der Bolero ist hier als Beispiel zu nennen. In jüngster Zeit integrierten vom Flamenco herkommende Künstler wie die Gruppe Ketama moderne kubanische, ihrerseits stark vom amerikanischen Jazz beeinflusste, Salsa-Stilistiken in ihre Musik.

Von der spanischen Operette, der "Zarzuela" kommt dagegen die moderne Copla (canción espanola), ein Genre, welches sich in Deutschland wohl am ehesten mit den Schlagern der 50er Jahre vergleichen lässt.

Spanische Folklore ist also vielfältig und offen nach außen hin. CANTARELA möchte sich dies zu Nutze machen.

   

*zitiert aus Gerhard Steingress, "Zur Kultusoziologie der Andalusischen Moderne". Der Autor wurde für dieses Buch mit dem "Premio de Investigación de la Fundación Andaluza de Flamenco" ausgezeichnet.