Zu Kultur und Sprache der sephardischen Juden

Während sie vor ihrer Vertreibung die Sprache der sie umgebenden Kulturen adaptierten - und das hebräische darüber sogar in Vergessenheit zu geraten drohte - bewahrten die sephardischen Juden in der Diaspora eisern ihr spanisches Erbe. Die spanische Vergangenheit wurde sogar zum glorreichen Zeitalter verklärt, allen Umständen der Vertreibungen zum Trotz, und lange Zeit war spanisch (bwz. "spaniolisch", s. u.) die Verkehrssprache in der gesamten sephardischen Welt (das Portugiesische wurde zunehmend verdrängt). Die Sprache der Juden hatte natürlich ihre Eigenheiten, basierend auf dem Spanisch von 1492 war sie durchsetzt mit iberischen Archaismen und hebräischen oder arabischen Lehnwörtern, zu denen Ausdrücke der jeweiligen Gastkulturen hinzukamen.

Dieses jüdisch-spanisch wird auch "Spaniolisch", oder "Djudezmo"  (in seiner umgangsprachlichen Form) genannt, bzw. "Haketiya" im Maghreb.

Während in einigen - vor allem westlichen - Ländern ein starker Assimilationsprozess stattfand, behielten die aus Spanien vertriebenen Juden andernorts ihre Riten, ihre Sprache und auch ihre spanischen Bräuche und Lieder bei. Der Elsässer Elie Scheid schrieb Ende des 19. Jh. über die sephardischen Juden in der anatolischen Hafenstadt Izmir: " ... Was mich nun wirklich erstaunt hat, ist dass diese Juden unter sich spanisch sprechen. Immerhin sind doch vier Jahrhunderte vergangen, seit sie Spanien verließen. Eigentlich hätten sie diesem Land gegenüber einen tödlichen Hass empfinden und vor allem die dort gesprochene Sprache vergessen sollen. Aber nein, sie ist das erste, was man den Kindern beibringt! In Smyrna gibt es sogar eine Wochenzeitung, die spanisch herauskommt..."

Auch der 1905 im heutigen Bulgarien geborene Literaturnobelpreisträger Elias Canetti erinnerte sich stets daran, dass seine Muttersprache Spanisch war.

Bis heute haben das kulturelle Erbe und die Sprache der sephardischen Juden in manchen Gegenden überlebt.