Von besonderem Interesse für das Repertoire von CANTARELA sind die von F.G. Lorca veröffentlichten 13 spanischen Volkslieder ("trece canciones populares espanolas antiguas").

Federico García Lorca  (1898 - 1936)

Erstaunlicherweise existiert kein einziges Tondokument mit der Stimme des berühmten Dichters - wohl aber sind uns Aufnahmen seines Klavierspiels erhalten.

1931 spielte Lorca zusammen mit der Sängerin und Tänzerin Encarnación López Júlvez "La Argentinita"  eine Reihe von fünf Schallplatten ein, auf welchen 13 der von Lorca  so geliebten spanischen Volkslieder in eigenen Arrangements zu hören waren. Die Aufnahmen waren ein großer Erfolg sowohl in Spanien wie in Südamerika, und sogar Manuel de Falla zeigte sich angetan von den Arrangierkünsten seines Freundes. Bis heute genießen die damals von Lorca ausgewählten Lieder eine hohe Popularität, und sogar die Originalaufnahmen sind noch problemlos erhältlich - natürlich auf CD. Auch für CANTARELA  sind sie so von besonderem Reiz.

Lorca war ein hochtalentierter Pianist und gebildeter Musiker, und wäre da nicht der Widerstand seiner Eltern gewesen, hätte er wohl eine Musikerlaufbahn eingeschlagen. Dies blieb ihm zwar verwehrt, aber dennoch  spielte die Musik, und im besonderen die spanische Volksmusik, eine wichtige Rolle im Leben des Dichters und steht in engem Zusammenhang mit seinem literarischen Schaffen. In seinem Gedichtband "Poema del Cante Jondo" (Dichtung vom tiefinneren Gesang) sowie in mehreren - oft gehaltenen - Vorträgen, nimmt Lorca auch einen direkten Bezug auf den Flamenco und die Volkslieder Andalusiens.

 

"Folklorismus" und Surrealismus, zwischen diesen beiden Polen oszilliert das vor allem auch in der kritischen Rezeption (bis heute) widersprüchlich aufgenommene Werk Lorcas. Er war immer wieder von dem Wunsch beseelt, "ultramodern" zu sein, und doch war Lorca Andalusier durch und durch, stolz auf die mythische Vergangenheit seiner Heimatstadt - das "universale" Granada, die Stadt der Mauren, der Sepharden und der Zigeuner, "Synthese aus Ost und West" (Lorca). Gerade in der Volksmusik fand Lorca das kollektive Unbewußte, die tiefsten Gefühle der Menschen in ihrer Essenz, ausgedrückt. So begeisterte er sich nicht nur für den Flamenco-Gesang und die Volkslieder seiner Heimat, sondern auch für den Jazz der Schwarzen in New York, den "Son" Kubas oder den Tango aus Buenos Aires.

Literarisch gelang es Lorca, aus der Tradition heraus etwas aktuelles, zeitgemäßes zu schaffen, ohne in die Nähe eines gekünstelten, pittoresken und regionalen Folklorismus zu geraten. Bemerkenswert dabei ist, dass viele seiner Werke trotz ihrer Modernität eine außergewöhnliche Popularität erlangten. Besonders mit den 1928 veröffentlichten "Zigeunerromanzen" gelang ihm etwas bis dato in Spanien unbekanntes: Lyrik, die sich auch verkaufte!

Lorca betonte zwar immer wieder die universalen Aspekte der Figur des Zigeuners ("Gitano") in diesem Werk, aber in kürzester Zeit wurden diese Gedichte in Spanien derart populär, dass sie mehr oder weniger selbst zu Folklore wurden. Bis heute, und gerade in jüngster Zeit, werden seine Gedichte und Lieder von spanischen (und internationalen) Künstlern und Komponisten vertont. Oft geschieht dies in einem aktuellen, modernen Kontext. Als Beispiel sei hier die Produktion "Omega" des hochangesehenen Flamenco-Sängers Enrique Morente erwähnt, die in Zusammenarbeit mit der granadinischen Trash-Metal Band "Lagartija Nick" entstand - vielleicht ganz im Sinne Federico García Lorcas.